Verband der heimatkundlich-

historischen Vereine Saarlouis e.V.

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Ausstellung mit beängstigender Aktualität


Saarlouis. Mehr als 500 Besucher kamen am vergangenen Wochenende zur Ausstellung „Die Rote Zone“ in die Mehrzweckhalle nach Beaumarais. Im Mittelpunkt stand die Evakuierung der Saarlouiser Bevölkerung 1939/40.


Auf den Fotos sieht man ältere Frauen, die auf Kisten, Koffern und Taschen sitzen. Sie lächeln zögerlich in die Kamera, ihr Blick verrät Unsicherheit und Angst. Andere Fotos zeigen Menschen auf voll beladenen Ochsenkarren und Pferdefuhrwerken. Die Fotografien wurden am 1. September 1939 im Saarlouiser Stadtteil Beaumarais von Hans Nicola aufgenommen. Sie zeigen die erste Evakuierung der Saarlouiser 

Bevölkerung, die im Zweiten Weltkrieg angeordnet wurde, weil Saarlouis in der so genannten „Roten Zone“, dem Freimachungsgebiet, lag. Die Ausstellung dokumentiert den Weg der Saarlouiser Bevölkerung, der bis nach Thüringen ging und zu Fuß, mit Fahrrädern, Ochsenkarren und der Bahn zurückgelegt wurde. „Die Ausstellung ist von beängstigender Aktualität“ sagte Oberbürgermeister Roland Henz bei seinem Besuch in der Ausstellung. „Das war nicht geplant“, betonte Walter Löffler, Vorsitzender des Vereins für Mundart und Geschichte Beaumarais. Als sein Verein im Januar 2014 die Idee zu dieser Ausstellung entwickelte, hatte noch niemand eine Vorstellung davon, dass wenige Monate später „Flucht“ und „Verlassen der Heimat“ im Mittelpunkt des öffentlichen Geschehens stehen würden.

In Kooperation mit dem Verband der heimatkundlich-historischen Vereine Saarlouis beteiligten sich neben dem Beaumaraiser Ideengeber der „Heimatkundeverein Neuforweiler“, der „Rodena Heimatkundeverein“, der Rodener Geschichtskreis und der Heimatkundeverein Lisdorf an der Ausstellung. Sie präsentierten Fotografien, Briefe, Dokumente sowie Gegenstände aus der damaligen Zeit. In der Ausstellung wurden einige der Orte in Thüringen vorgestellt, in denen die Saarlouiser damals gelebt haben. In der Zeit des Zusammenlebens entstanden auch Freundschaften zwischen den Einheimischen und den Evakuierten und noch Jahre später schrieb man sich Briefe und dankte für die freundliche Aufnahme in der Fremde. Die Ausstellung war auch eine gute Gelegenheit, mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. Walter 

Löffler war damals 3 Jahre alt und kann sich noch gut an die Zeit erinnern. Er hat, ebenso wie viele andere Saarlouiser, Fotos aus seinem Privatbesitz zur Verfügung gestellt, die ihn und seine Familie zeigen. Für viele Besucher war der Rundgang durch die Ausstellung wie eine kleine Zeitreise in die eigene Vergangenheit. Das Foto (rechts) zeigt Walter Löffler, der schmunzeln musste, als er sich als Dreijähriger auf einem der Fotos entdeckt. Die zweitägige Ausstellung lockte rund 500 Besucher nach Beaumarais.

Bericht: Sabine Schmitt

Fotos: Sabine Schmitt (unten) und Jürgen Baus (oben)

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